Naturmalerei und Tuschmalerei

Naturmalerei und Tuschmalerei – Inspiration und Weg

Naturmalerei und Tuschmalerei
Naturmalerei und Tuschmalerei

Konzentriert beobachten, schwungvoll und doch achtsam den Pinsel führen und die Essenz der Dinge und Wesen einfangen – das vereint für mich die Naturmalerei und Tuschmalerei.

Die Tuschmalerei ist eine seit Jahrhunderten vor allem in China und Japan ausgeübte traditionelle Kunst. Mit schwarzen oder farbigen Tuschen werden Motive, die häufig aus genauer Beobachtung der Natur entstehen, mit speziellen Pinseln auf zarte Faser-Papiere oder Seide gebracht.

Fasziniert und inspiriert bin ich vor allem von der im Zen-buddhistischen Geist überlieferten Schwarze-Tusche-Malerei, auf Japanisch: sumi-e.  Im 14. Jahrhundert begann sich, von China kommend, dieser Malstil auszubreiten. Die  mit energievollen, manchmal regelrecht jagenden Strichen gemalten Bildern von Meistern verschiedener Zeiten –  in Museen, seltenen  Sonderausstellungen, vor allem aber als Reproduktionen zu finden – lassen mich seit Jahren nicht los, sie haben mir einen sehr bewegten und erfüllenden Weg und Tanz gezeigt: den Weg der Tusche, den Tanz des Pinsels.

Naturmalerei und Tuschmalerei gehören für mich im weiteren Sinne zusammen. In den fernöstlichen Motiven ist Natur ein Wesenselement. Es entsteht ein Gefühl von eingebettet sein in ihr, der Harmonie, der Schönheit, des tiefen Respekts. Und obgleich es um ganz konkrete Wesen, Vorgänge  geht – ich würde sagen, um alles was wächst und blüht, kreucht und fleucht – gibt es die „unsichtbaren“ Hintergründe, eine sich nicht immer sofort erschließende Symbolik.

Reiher
Reiher im Lotos

Zu den Klassikern der ostasiatischen Tuschmalerei zählt die Darstellung des Bambus. Es soll Meister gegeben haben, die ihr Leben lang Bambus malten: und dann wiegt er sich zerzaust im Wind, biegt sich unter der Schneelast, dann zwitschern die Spatzen im Blätterrascheln …

Der Bambus gehört in der Blumenmalerei zu den „vier edlen Herren“ neben der Winterpflaumenblüte, der Orchidee und der Chrysantheme. Ethische Werte wie Aufrichtigkeit, Biegsamkeit, Gradlinigkeit, Treue, Beständigkeit werden ihm zugeschrieben. Fest und stark wie er wächst, ist er doch innen hohl – ein Sinnbild der inneren Leere, einem Zen-Ideal.

Zu den Prinzipien der Tuschmalerei gehören Schlichtheit, Natürlichkeit, innere Ruhe. Perspektive entsteht durch das vom Dunklen ins Helle Gemalte. Uns eher fremd sind die der Bildkomposition eigene Asymmetrie und die Idee der Leere. Der leergelassene Bildgrund erzeugt eine eigene Dynamik, gibt dem Dargestellten Luft und Raum und lädt ein zum „Weitermalen“ im Geiste.

Sich im traditionellen Stil ostasiatischer Tuschmalerei (Sumi-e) und Naturmalerei zu üben, ist ein lebenslanges Lernen.  Wie in all diesen Künsten, sei es Bogenschießen, Ikebana, Tai Chi …

Beharrlich, konzentriert im unbeirrten Anfängergeist.